Dienstag, 26. November 2013

Korsett und Sport

Meiner Auffassung nach wirkt eine Wespentaille, oder eine Sanduhrfigur erst richtig gut, wenn auch der gesamte Körpers "eine gute Figur macht". Das zu ereichen, kann Sport eine große Hilfe sein, wie überhaupt, um gesund zu bleiben.
Dabei ist zu unterscheiden, ob nur gelegentlich ein Korsett getragen wird, oder ob permanent geschnürt, und ein Korsetttraining durchgeführt wird. Für diejenigen, die gelegentlich ein Korsett tragen hat Sport die gleiche Wichtigkeit wie für alle anderen Menschen. Dazu kommt, das ein geschnürter Körper viel eher Blicke auf sich zieht wie eine  "normale" Figur. Wer also ein Korsett trägt, sollte darauf achten, dass auch seine übrige Erscheinung attraktiv und sehenswert ist, das erfordert einen gewissen Aufwand, den es zu betreiben gilt um "schön" zu sein. Es gilt Beine, Po und Bauch zu trainieren, damit sie zur Wespentaille ein passendes Bild ergeben. Dabei muss natürlich kein Korsett getragen werden, obwohl dies in keinem Fall schadet, aber schon ein wenig in Richtung Figurtraining geht.
Eine überaus wichtige Bedeutung bekommt der Sport, wenn es um Figurtraining durch permanentes Schnüren geht. Zunächst eine kurze historische Betrachtung: Beim Figurtraining eines jungen Mädchens im 19. Jahrhundert sollte durch das ständige Engerschnüren eines steifen Korsetts einerseits der junge Körper in eine bestimmte Idealform gebracht werden, und die angehende junge Dame außerdem zu einer eleganten Haltung und graziösen Bewegungen erzogen werden. Das ist auch heute noch der Sinn eines solchen Trainings. Das junge Mädchen musste also ständig ein enges und steifes Korsett tragen, welches ihr Körperform, Haltung und Bewegung vorgab. Diese Haltung und Bewegung zu trainieren, waren Gymnastik, Wandern, Reiten und Turnen angesagt. Der Körper wurde dabei gezwungen sich zu bewegen, und zwar genau so, wie es in dem Korsett noch möglich war, und in einer Körperhaltung die das Korsett vorgab. Die jungen Damen gewöhnten sich so an die vorgegebene Haltung und Bewegung, und bald war es für sie normal. Durch Sport und körperliche Belastung wird außerdem der Kreislauf angeregt, was wiederum den Auf- oder Abbau von Gewebe beschleunigt, und Figurveränderungen an Taille und Brustkorb begünstigt.
Wer heute beabsichtigt ständig ein Korsett zu tragen sollte diese historischen Erfahrungen berücksichtigen. Wer sich in einem eng geschnürten Korsett wohl fühlen will, insbesondere, wenn er dieses ständig trägt, muss dies hart trainieren. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass es bei einem Taillen- und Figurtraining darum geht den Körper bewusst zu verändern, und an ein Leben im Korsett zu gewöhnen. Wer das nicht will, oder gesundheitliche Schäden befürchtet, der sollte es lassen, ein Figurtraining ohne Körperveränderung gibt es nicht, ebenso ist es für eine an das Korsett gewöhnte Person nicht ohne weiteres möglich auf das Korsett zu verzichten.  Meiner Meinung nach ist es aber gefährlicher den Körper für eine kurze Zeit eng zu schnüren, wenn er dies nicht gewöhnt ist, als ihn durch langsames Training an den eingeschnürten Zustand und eine bestimmte Körperhaltung als den Normalzustand zu gewöhnen.
Wie geht dies vonstatten, und welche Rolle spielt sportliche Betätigung dabei?
Beim Korsettraining gilt es Taille und unteren Brustkorb mehr oder weniger stark einzuengen, um eine bestimmte Silhouette und Figur zu ereichen. Der Brustkorb, der von Natur aus unten etwas breiter ist wie oben, soll unten verkleinert werden. Sein Umfang soll fließend in den reduzierten Taillenumfang
übergehen. Im Gegenzug soll sich der obere Teil des Brustkorbs weiten, um den Busen maximal zu betonen, und den Brustumfang zu vergrößern. Dieses Ziel lässt sich durch ständiges enges Einschnüren der unteren Rippen tatsächlich ereichen.
Die Einschnürung muss dabei anfangs nicht zu stark erfolgen, aber doch so stark, dass die Rippen aus ihrer natürlichen Lage heraus nach innen gedrückt werden.
Anfangs wird eine solche Einschnürung der Rippen als unangenehm empfunden, man hat Angst nicht genug Luft zu bekommen, und die verformten Rippen bereiten stechende Schmerzen. Mit der Zeit erfolgt eine Gewöhnung an den Schnürdruck, so das dieser nach und nach erhöht werden kann. Um bestmögliche Trainingsergebnisse zu erzielen sollte die Schnürung soweit forciert werden, das ein leichter, aber erträglicher Schmerz auftritt, die unteren Rippen lassen sich auf diese Weise nach und nach so weit zusammendrücken bis die Rippenbögen sich vorne berühren, mehr ist anatomisch nicht möglich. Diesen Fall zu ereichen erfordert strengste Schnürung und bedeutet eine Zeit lang Unbehagen und Schmerzen. Wie lange das dauert, bis dieses Ergebnis ereicht ist, ist von Fall zu Fall verschieden, und geht umso schneller, je früher mit der Einschnürung begonnen wird. Ab einem gewissen Alter ist eine derart starke Körperveränderung überhaupt nicht mehr möglich. Verbindliche Zahlenangaben dazu gibt es keine, es kann aber davon ausgegangen werden, dass bedingt durch den Knochenaufbau und die Körperentwicklung  bis zu einem Alter von 40 Jahren die Rippen gut verformbar sind, danach wird es schwieriger, und bedarf mehr Zeit. Durch die starke Einschnürung werden bestimmte innere Organe verschoben und dazu gezwungen sich zu verändern (siehe hierzu Artikel von Dr. Hellen Stern) Dem Körper bleibt zur Atmung nur noch der obere, nicht eingeschnürte Teil des Brustkorbs, der sich nun langsam zu weiten beginnt. Diese Erweiterung ist ja ein Ziel des Trainings, und erfolgt umso schneller und stärker, je mehr und je tiefer der Körper atmen muss.
Die Belastungsgrenze einer so geschnürten Person liegt anfangs niedrig, da das Lungenvolumen stark reduziert ist. Regelmäßige Belastung durch Sport bewirkt eine Erweiterung des oberen Brustkorbs, und eine Erweiterung der Lungenkapazität, bis nahezu auf den ursprünglichen Wert. Die Atmung selbst kann aber nur noch mit dem oberen Brustkorb erfolgen, so dass dieser sich bei jedem Atemzug ziemlich stark heben und senken muss, was wiederum zu einer Verbreiterung und Ausdehnung führt. Eine geschnürte Person, wird bei regelmäßiger körperlicher Belastung viel eher die gewünschten Veränderungen aufweisen, und sich trotz Einschnürung wohl fühlen können, wie eine unbelastete Person bei gleicher Schnürung, bei der auch keine großartige Erweiterung des oberen Brustkorbs erfolgen wird. Die Art der Belastung ist vom Grad der Einschnürung abhängig. Der Oberkörper sollte bei enger Schnürung so unbeweglich wie möglich sein, die Haltung aufrecht. In einer derartigen Schnürung sind nur wenige sportliche Tätigkeiten möglich. Besonders gut, auch zum Haltungs- und Bewegungstraining ist Wandern, Radfahren und Reiten. Auch tanzen, Seilspringen oder andere Belastungsübungen sind geeignet. Eine enge und steife Einschnürung erfordert eine Umstellung vieler Bewegungsabläufe. Dazu ist es notwendig, dass die geschnürte Person immer wieder gerade die Bewegungen die vom Korsett behindert oder erschwert werden ausführt. Eng geschnürt, wird Der- oder  Diejenige es vermeiden wollen sich zu setzen, weil es den Druck auf den geschnürten Bereich noch erhöht, und weil es schwer fällt wieder aufzustehen, ebenso ist es unangenehm etwas vom Boden aufzuheben, sich Strümpfe und Schuhe anzuziehen, oder sich mit steifem Oberkörper nach vorn zu beugen. Bei all diesen Bewegungen versucht nämlich der eingeschnürte Körper automatisch Muskeln zu benutzen, deren Bewegung durch das Korsett erschwert oder gar unmöglich ist. Das verursacht Druckgefühl und starkes Unbehagen, da der Körper ständig an etwas gehindert wird, was er gewöhnt war. Durch ständiges Ausführen gerade dieser Bewegungen, was anfangs schmerzhaft und unangenehm sein kann, lernt der Körper die zur Untätigkeit gezwungenen Muskeln nicht mehr zu benutzen
und sich statt dessen auf die Steifheit des Korsetts zu stützen. Das Unbehagen verschwindet, und die nun nicht mehr benötigten Muskeln bilden sich zurück. Durch gezielte Gymnastik und Übungen wie Kniebeuge wird diese Umgewöhnung unterstützt, ebenso von Vorteil sind kürzere Sitzphasen auf geraden hohen Stühlen, mit häufigem Aufstehen. Unbedingt zu vermeiden sind alle Bewegungen, bei denen der Oberkörper verdreht werden könnte. Während die enge und steife Einschnürung ein Beugen des Oberkörpers wirkungsvoll verhindert, ist ein Verdrehen immer noch trotz Korsett möglich, und extrem gefährlich, da Rippen gequetscht und Nerven eingeklemmt werden können. Wer körperliche Arbeit verrichten muss, sei es beruflich oder im Haus, sollte es deshalb mit der Schnürung nicht übertreiben, und sich ständig bewusst sein, dass er, oder sie ein Korsett trägt. Gerade bei längerer Gewöhnung gerät das nämlich mitunter bei der Arbeit in Vergessenheit, für die Anfängerin unvorstellbar, aber war. Etwa einmal pro Woche für ein oder zwei Stunden ist Bewegung und leichter Sport ohne Korsett zu empfehlen, damit die ansonsten unbeweglichen Körperregionen eine gewisse Durchblutung und Lockerung erfahren. Dabei sind jedoch Anstrengung und Training von sonst eingeschnürten Muskeln zu vermeiden, es geht nur um die Bewegung an sich, nicht um einen Aufbau von Muskeln. Umstritten ist das Schwimmen als Sport. Meiner Meinung nach nicht zu empfehlen, da dabei die Rückenmuskeln stark beansprucht werden. Wer es sich zutraut, sollte mit einem Bademieder ins Wasser gehen, und sich im Wasser entspannen, aber nicht versuchen größere Strecken zu schwimmen. In einem richtigen Badekorsett ist das ohnehin schwierig. Ebenfalls gefährlich sind Tennis und Federball im Korsett, da der Körper leicht verdreht werden kann. abschließen möchte ich bemerken, dass die obigen Hinweise und Auffassungen aus meinen Erfahrungen sowohl beim gelegentlichen schnüren, als auch beim permanenten Korsetttraining resultieren, sie sind weder wissenschaftlich bewiesen, noch als medizinisch verbindliche Auffassung anzusehen, und deshalb nicht in jedem Falle einfach zu verallgemeinern.

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