Normalerweise trage ich meistens ein sehr steifes Geradefrontkorsett. Durch die steife Frontpartie ist damit natürlich keine Rekordtaille möglich. Z.Z. bin ich auf etwa 50cm Taille geschnürt. Natürlich über dem Korsett gemessen. Da diese Korsetts aber sehr schwer gearbeitet sind, tragen die vielen Versteifungen recht viel auf, so dass die realen Körpermaße sicher noch mindestens 3 bis 4 cm weniger betragen. Interessant sind die Veränderungen, die mein Körper durch die ständige Einschnürung erfahren hat:
Vor meinem Korsetttraining betrug der Umfang an den unteren Rippenbögen 69cm.
Heute lassen sich an dieser Stelle ungeschnürt nur noch 62cm messen. Geschnürt wird dieser Bereich auf ca. 54 cm. Die unteren Rippenbögen sind dabei so stark zusammengedrückt, dass sie parallel zueinander nach unten verlaufen und sich fast berühren. Dadurch wird die Verjüngung des Oberkörpers zu einer konischen Form ereicht. Ohne Korsett entsteht schon nach kurzer Zeit ein Spannungsgefühl im Körper. Der Körper ist den ständigen Druck gewöhnt, und die inneren Organe finden ohne Korsett nicht ihren gewohnten Halt. Eine ähnliche Veränderung wie an den unteren Rippen, zeichnet sich am oberen Brustkorb ab. Da meine Korsetts sehr hoch sind, und auch den oberen Brustkorb korsettieren, erfolgt kaum eine Vergrösserung des Umfangs in diesem Bereich. Dadurch wird die Brust angehoben, und der gesamte obere Brustkorb hebt sich beim atmen, was wiederum den Busen betont.
Veränderungen auch zwangsläufig bei der Atmung:
Unter dem eng geschnürten Korsett ist nahezu keinerlei Atembewegung mehr feststellbar. Das Zwerchfell ist völlig unbeweglich, und auch der untere, stark geschnürte Teil des Brustkorbs trägt nicht mehr zur Atmung bei. Da wie bereits erwähnt meine Korsetts sehr hoch sind, erfolgt die Atmung fast ausschließlich durch heben und senken der Brust.So korsettiert ist die physische Leistungsfähigkeit etwas eingeschränkt, da weniger Lungenvolumen zur Verfügung steht. Ich habe also ständig zu tun meine Brust zum atmen zu heben um genügend Luft zu bekommen, was wiederum eine Erweiterung des Lungenvolumens bedeutet. Gefördert wird das durch körperliche Belastung und Sport, was dem Verlust an Lungenvolumen entgegenwirkt. Ich konnte so geschnürt bei meinem letzten Urlaub selbst Wanderungen von fast 30km in den Alpen durchführen, und habe dabei einen 2500m hohen Gipfel erstiegen. Natürlich ist das nicht in Rekordzeit möglich, man kommt schon schneller außer Atem.
Veränderungen bei der Körperhaltung:
Die engere Schnürung eines hohen Korsetts bewirkt eine zunehmende Veränderung der Körperhaltung.Die Konstruktion und Schnittführung der von mir getragenen Korsetts sind so, dass ich mit zurückgedrückten Schultern ein Hohlkreuz machen muss. Sobald ich diese Körperhaltung verlasse, z. B. um mich ein wenig vorzubeugen, oder um das Spannungsgefühl im Körper zu mindern was durch dieses Eingeschnürtsein zwangsläufig entsteht, erinnert mich der Druck im Rücken sofort wieder an das Training und fordert die entsprechende Haltung. Die dadurch bedingte Rückenlinie sieht sehr reizvoll aus, aber das Training ist recht anstrengend. Es ist also nicht für jedermann, oder Frau zur Nachahmung zu empfehlen. In einem solchen Korsett ist es mir auch fast unmöglich mich selbst so zu schnüren. Doch mein Mann übernimmt diese Aufgabe natürlich sehr gerne. Mein Ziel ist keine Rekordtaille, aber unbedingt diese typische Silhouette wie sie besonders um 1900 ausgeprägt war, zusammen mit einer schlanken hohen Taille und einem schmalen Oberkörper, ohne einen sich hervorwölbenden Bauch, wie er leider bei vielen eng geschnürten Damen zu sehen ist. Deshalb kommt für mich nur ein steifes Korsett mit gerader Front zum Training in Frage. Die steife Körperhaltung die das Korsett formt war anfangs sehr anstrengend. Andererseits ist es ein unbeschreibliches Gefühl so eingeschnürt und mit unbeweglichem Oberkörper fixiert zu werden. Ein Gefühl der Hilflosigkeit, aber auch Stolz und Überlegenheit, schließlich trage ich das Korsett freiwillig. Man überwindet man eigene Bedenken und macht das scheinbar Unmögliche möglich, eine sportliche Herausforderung gewissermaßen. Heute bin ich ständig so geschnürt, und lege das Korsett nur zum Duschen für ein paar Minuten ab. Manchmal ist das ständige Eingeschnürtsein auch belastend, und ich würde das Korsett am liebsten ablegen, besonders im Sommer, wenn es sehr heiß ist. Aber ich bin sehr ehrgeizig, Deshalb will ich nicht so einfach mein Korsett lockern oder ablegen, wenn es mal unbequem ist. Ich ertrage, und genieße also meine "Gefangenschaft" in diesem engen Gehäuse. Eine freiwillige Gefangenschaft in einem immer engeren Käfig, mit genau vorgeschriebenen Bewegungsmöglichkeiten. In einer derartigen Schnürung schenkt man dem eigenen Körper auch mehr Aufmerksamkeit, achtet mehr auf Kleidung und Schuhe, sowie darauf wie man sich schminkt und zurecht macht. Letztlich bewegt man sich eleganter, achtet auf seine Körperhaltung und den Gang. Ich habe noch nie so gerne High Heels getragen wie jetzt, seit ich ständig geschnürt bin. Früher empfand ich das Gehen auf hohen Absätzen mitunter als lästig und anstrengend, heute bin ich an einem eleganten Auftreten mehr interessiert und dazu gehört, dass ich Schuhe mit hohen Absätzen trage, und meinen Gang entsprechend wähle.
Ständiges enges Schnüren und Korsetttraining hat also nicht nur körperliche, sondern auch psychische Auswirkungen. Es stärkt das Selbstvertrauen und zeigt die eigenen Möglichkeiten. Es ist gewissermaßen wie im Leistungssport, wo die Sportler bis an ihre Grenzen gehen und darüber hinaus. Wo sie durch Willensstärke und Training das eigene Potential erweitern und sich zu immer höheren Leistungen befähigen. Dabei müssen auch Einschränkungen und Mühen in Kauf genommen werden, aber zum Schluss entschädigt das Ergebnis in jedem Falle, im Sport der Sieg, und beim Tightlacing die atemberaubende Figur.
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