Dienstag, 26. November 2013

Körperliche Auswirkung des permanenten Tragens eines enggeschnürten Korsetts

m „Medizinischen Ratgeber“ von Dr. Helen Stern (Aus der „LISA“-Seite (http://www.staylace.com), mit freundlicher Genehmigung übersetzt und zusammengefaßt von Peter) wird vor allem auf das permanente Korsettragen eingegangen mit Schwerpunkt auf permanenter sehr enger Schnürung. Entsprechend sind dann auch die Informationen, die hier sinngemäß wiedergegeben werden. Es wird hier darauf hingewiesen, daß der hier abgedruckte Text die Privatmeinung der Autorin darstellt, und nicht unbedingt die von korsett.org. korsett.org übernimmt deswegen keinerlei Gewähr für die Richtigkeit des unten abgedruckten Textes.


Körperliche Auswirkung des permanenten Tragens eines enggeschnürten Korsetts

Skelett

Das menschliche Skelett besitzt 12 Rippen, die es zu bearbeiten gilt, und die müssen von der Mitte des Brustkorbs an gleichmäßig ohne irgendwelche Absätze nach innen verformt werden. Die Einengung sollte mindestens bei der 6. Rippe beginnen und dann ansteigen, um bei der Taille ihr Höchstmaß zu erreichen. Besonders die untersten 4 Rippen sind Hauptziel der Kompression, um einen sich schön verjüngenden Kegel zu erreichen. Es muß dabei noch einmal betont werden, daß starke Korsettstangen, breite Seitenstangen und eine steife Planzette ein absolutes Muß sind. In der Tat macht ein hohes, starkes und sehr steifes Korsett die zwangsweise versetzten und deformierten Rippen bewegungsunfähig und vermindert damit das Unbehagen und den Druck, den die möglicherweise reumütige Anfängerin einige Zeit lang ertragen muß.


Organe

Der einschnürende Effekt des Korsetts verringert das Volumen des Bauchraums. Das Zwerchfell wird nach oben gedrückt und die Frau wird zur typischen oberen Brustatmung gebracht. Außerdem wird der Darm etwas zusammengedrückt und verschoben, obwohl die weiche Bauchdecke nachgibt und damit den nötigen Raum schafft.
Die Frau, die mit dem engen Schnüren eines hochgeschnittenen Korsetts beginnt , wird eine allmähliche Veränderung ihrer Figur und der Lage ihrer inneren Organe erfahren. Die tägliche (und manchmal auch nächtliche) Einschnüren preßt die unteren Rippen ohne allzu großen Widerstand nach innen und bald ist die gewünschte lange und schmale konische Taille eine unwiderrufliche Tatsache. Auch wenn die Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt ist, wird die Trägerin ihr Korsett schon bald ganz bequem finden. Bald schon wird sie ihr Korsett hinten um einige Zentimeter weiter schließen, ohne irgendwelche Unannehmlichkeiten oder gar Schmerzen zu empfinden. Ihre komprimierten und verschobenen inneren Organe müssen sich der langen und schmalen Shilouette anpassen. Wenn aber das Engerschnüren langsam und über einen langen Zeitraum von statten geht, passiert dies unmerkbar für die Trägerin. Das Zwerchfell wir nach oben gedrückt und wird unter der geschnürten Taille immer unbeweglicher.
Damit geht die Dame unmerklich von der Bauchatmung zur Brustatmung (nur mit dem oberen Teil der Lunge) über. Unterhalb der eingeschnürten Taille werden die inneren Organe sanft nach unten gegen das Becken gedrückt und der Magen wird in einer mehr vertikalen Lage ausgerichtet. Wegen Platzmangel wandert die Leber teilweise nach unten und wird etwas zusammengedrückt. Nach Jahren des Engschnürens zeigt ihre Oberfläche mehrere mehr oder weniger tiefe Einbuchtungen - oder es kann sich sogar ein Fortsatz, der sogenannte Korsettlappen . Weniger betroffen sind Milz und Nieren. Erstaunlicherweise funktionieren alle inneren Organe weiterhin einwandfrei. Die leidenschaftliche Korsetträgerin verbringt - ihrer Figur bewußt - keinen Tag ohne ihr Korsett. Mehr noch, das Korsett ist die feste Basis zur Bestimmung ihrer Konfektionsmaße an der eingeschnürten Figur.
Wie oben beschrieben hat das feste unnachgiebige Binden von Taille und Rippen sicherlich Konsequenzen. Je nach Grad und Dauer der Einschnürung kann der Effekt auf den Körper mäßig und umkehrbar sein, sobald das Korsett nicht mehr getragen wird. Jedoch auch bei nur mäßigem aber langwierigem Schnüren wird der bloße Körper langsam und unumkehrbar verändert. Besonders der untere Brustkorb wird sichtbar verjüngt und verlängert. Bei Damen, die sich über Jahre sehr eng auf eine wirkliche Wespentaille schnüren, sind die Veränderungen am bloßen Körper sehr augenscheinlich. Der untere Brustkorb ist unwiderruflich zusammengedrückt und die unteren Rippen sind so weit nach innen gebogen, daß sie sich vorne fast berühren (man konnte dies noch in den späten 40er Jahren auf Röntgenbildern sehen, als die jungen Damen sich nach der „New Look“ Mode kleideten). Ein weiteres Merkmal ist die Entwicklung einer Schnürfurche in der Taille.
Trotz all dieser Auswirkungen des langzeitigen Engschnürens ist es wichtig zu erkennen, daß die langsame Veränderung von Körper und Organen nicht wirklich schädlich für die Frauen ist. Solange sie ihre Figur geduldig und ohne zu überstürzen verändert, besteht keine Gefahr. Auch die Dame mit der extremsten Wespentaille wird schließlich das Gefühl haben , frei atmen und sich frei in ihrem Korsett bewegen zu können, anscheinend ohne sich groß ihres eingeschnürten Zustands bewußt zu sein.


Bauart des Korsetts

Sehr wichtig ist die richtige Konstruktion des Korsetts. Viele Damen wählen ein langes Korsett, um eine lange elegante Taille zu erreichen, aber obwohl es mindestens ein Drittel ihres Brustkorbs umschließt und bis knapp unter die Brüste reicht, kann es unter der Taille zu kurz sein. Die nach unten gedrückten Gedärme und inneren Organe drücken auf die Bauchdecke , die schließlich nachgibt, was zu überdehnten Muskeln und zu einer erschlafften Bauchdecke führt. Abhilfe : ein Korsett, das den ganzen Unterleib bedeckt und auch dort entsprechend mit Korsettstäbchen ausgestattet ist. Vor allem ein stabiler Stahl-Planzettenverschluß unerläßlich, um den Bauch unter Kontrolle und flach zu halten. Die Länge des Planzettenverschluß muß sorgfältig gemessen werden - ein langer ist wünschenswert. Wenn er aber zu lang ist, kann er beim Hinsetzen hinderlich sein. Die etwas fülligere Dame wird den leicht gekrümmten Löffel-Verschluß nützlich finden, während die schlankere Dame eher von der geraden Form profitiert. Zu guter letzt muß das Korsett unterhalb der Taille sich gut über die hervorwölbenden Hüften verbreitern und auch noch Platz genug haben, um die in ihrer Lage verschobenen inneren Organe zu halten. Irgendwo müssen die schließlich auch hin !


Euphorisches Gefühl beim Korsettragen

Mit dem Umhüllen des Körpers mit einem Korsett, dem Vorgang des Schnüren ebenso wie durch den Grad des Engerschnürens wird eine Reihe von komplexen Gefühlen, von einem Wohlgefühl bis zur ausgesprochenen Euphorie hin ausgelöst. All diese Gefühle sind auf eine Mischung von physischen und mentalen Eindrücken zurückzuführen. So empfindet die gerade geschnürte Dame, wenn sie vor dem Spiegel steht Freude und Bewunderung über ihre künstlich geformten Kurven, die ihre weibliche Figur akzentuieren oder sogar - mit einer Wespentaille - noch mehr betonen : sich hervorwölbende Hüften und gehobene und vorstehende Brüste.
Sie fühlt sich sehr gut mit ihrer kompakten Figur, berührt den vernickelten Vorderverschluß, befühlt den glänzenden Korsettstoff und läßt ihre Hände über ihre schmale Taille zur Hüfte streichen.
Die sehr wenigen Damen, die sich heutzutage schnüren, erfahren solchen euphorischen Auto-Erotizismus , während das früher das bei nur wenigen der Fall war, als viele mehr oder weniger in Korsetts aufwuchsen, in jener Zeit also, als die Korsetts ein zwingender und alltäglicher Bestandteil der weiblichen Garderobe waren.
Abgesehen von der Bewunderung ihrer eigenen Figur glaube ich, daß die Euphorie aus dem starken Gefühl der Sicherheit und des starken Halts, den ein Korsett bietet abzuleiten ist. Die Korsettstangen und der Vorderverschluß eines eng geschnürten Korsetts wirken buchstäblich wie ein Gerüst um den Torso und übernehmen viel der Arbeit, die normalerweise die Rückenmuskulatur verrichten muß. Die Steifigkeit des Korsetts und die Einschnürung der Taille mag anfangs störend sein, aber sobald sie sich daran gewöhnt hat, wird sich die Trägerin bequem entspannt fühlen in ihrer Rüstung aus Stoff und Stahl. Jene unter uns, die sich jahrelang zu einer Wespentaille geschnürt haben, wissen, daß das Korsett bald unerläßlich wird, nachdem die Rückenmuskeln mangels Bewegung erschlaffen und nicht mehr in der Lage sind, den Körper in einer wohl aufrechten Position zu halten. Wenn Sie dann, aus welchem Grund auch immer, Ihr Korsett loswerden wollen, Vergessen Sie es ! Schon nach wenigen Stunden beginnt der Rücken unerbittlich zu schmerzen und nach der harten, aber bequemen Schale zu rufen .
Karl Lagerfeld bemerkte einmal zu diesem Thema, daß es als die Korsetts damals außer Mode kamen, es nicht ein Frage des einfach Wegwerfen gewesen wäre (die meisten Damen wären damals ohne sie nicht mehr zurecht gekommen), sondern daß es einer ganzen Generation bedurft hätte, um diesen Wechsel zu ermöglichen.
Daher meine ich , daß das komfortable Gefühl der Unterstützung zusammen mit einer grazilen und femininen Verbesserung der Figur der Schlüssel zu diesem euphorischen Gefühl sind. Aber es gibt auch zusätzliche Effekte : Je nach Grad des Schnürens beeinflußt das Korsett mehr oder weniger die Körperbewegungen. Schon bei leichtem Schnüren wird man beim Gehen dazu gezwungen, die Hüften zu schwingen. Je stärker das Korsett geschnürt ist, desto stärker wird die Taille eingeschnürt und verlängert und desto stärker wird damit der Unterschied zwischen Taille und Hüfte , was unweigerlich zu einer stärker ausgeprägten seitlichen Bewegung führt. Dies wiederum steigert unfreiwillig jenes spezielle, sexy und überlegene Gefühl höchster Weiblichkeit.
Die mehr oder weniger exhibitionistisch und / oder masochistisch veranlagte Dame mag eine tiefe Befriedigung darin sehen, zum äußersten geschnürt zu sein .
Ich pflichte bei, daß das Schnüren der Taille die Wahrnehmungsfähigkeit erhöht. Dieses Phänomen wurde in der Literatur so hin und wieder erwähnt, jedoch ohne ausreichende Erklärung. Einige Autoren deuteten an, daß dies an einer durch das Korsett bedingten stärkeren Durchblutung des Hirns läge. Das glaube ich ganz und gar nicht. Als Korsetträgerin weiß ich, daß die Zwerchfellatmung nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist. Statt dessen kann man nur noch mit dem oberen Lungenbereich atmen, was vielleicht die Bewegung des Brustkorbs und den Sauerstoffaustausch erhöht. Dagegen glaube ich wiederum, daß das Gefühl erhöhter Wahrnehmungsfähigkeit an dem Halt liegt, den das Korsett biete, wenn es eng (aber nicht zu eng) geschnürt ist - wenigstens nicht enger als man es einen ganzen Tag lang erträgt.
 

Tragen eines Korsetts nach einer Schwangerschaft

Es gibt diesbezüglich einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Tragen eines Korsetts und
dem Engschnüren.
In den ersten 6 Monaten ist das enge Schnüren zu vermeiden, während man mit dem Tragen eines Korsetts
bei moderater Schnüren wesentlich früher beginnen kann.
Für jene unter uns, die seit vielen Jahren ans Korsett gewöhnt sind und die dessen stützende Wirkung als sehr angenehm empfinden, um nicht zu sagen als unentbehrlich, stellt dies kein Problem dar. Man merkt selbst, wann man etwas enger schnüren kann.
Aber dazu ist ein gutes Korsett unabdingbar, sonst ruiniert man seine Figur.
In den "guten alten Zeiten" hörte man natürlich unter keinen Umständen auf, ein Korsett zu tragen;
dafür gab es damals im Gegensatz zu heute auch eine Vielzahl von Schwangerschafts- und Mutterschaftkorsetts.


Korsettragen und Erkrankungen / Gesundheitsgefahren


Asthma und Atemwegserkrankungen

Vorsicht walten lassen und den Arzt fragen !


Extremes Schnüren für kurze Zeit - gesundheitsgefährdend ?

Falls man sich der Ohnmacht nahe fühlt, hat man es mit dem Schnüren wirklich übertrieben. Man sollte
es als ernste Warnung ansehen !
Zwar gibt es keine Hinweise darauf , daß der Körper beim Korsettraining Giftstoffe produziert (wie gefragt wurde), aber trotzdem sollte man viel trinken und dafür weniger essen (versteht sich von selbst).
Ansonsten hat das Korsettragen keine Auswirkungen auf die Verdauung (abgesehen von dem geringeren Volumen der Organe).


Niesen bei engem Korsett

Das Niesen bei einem eng getragenen Korsett ist wirklich ein Problem: entweder reißt das Korsett oder es ist mehr oder weniger schmerzhaft. Daher sollten Sie - auch wenn es schwer fällt - das Niesen auf jeden Fall vermeiden. Durch den hohen Druck, der beim Niesen aufgebaut wird (und wegen des steifen Korsetts nicht abgebaut werden kann, kann es immer zu medizinischen Auswirkungen, vor allem bei den Blutgefäßen kommen. Aber auch ein Bruch kann dadurch verschlimmert werden . Also, das Schnüren nicht übertreiben !


Bluthochdruck / Blutzirkulation

Ein zu eng getragenes Korsett kann die Blutzirkulation beeinflussen und den freien Rückfluß von venösem Blut zum Herzen einschränken. Vor allem bei erhöhtem Blutdruck sollte man aufpassen. Aber wiederum sollte man im Zweifelsfall seinen Arzt konsultieren.
Natürlich kann die Blutzirkulation in der unteren Körperhälfte durch sehr starkes Schnüren beeinflußt werden, aber es ist bei gesunden Menschen sehr unüblich. Das Phänomen Schwäche in den Beinen und Taubheit der Hüften steht in keinem Zusammenhang damit. Viele Frauen, die einst wie ich zu schnell zum engsten Schnüren übergingen haben diese unangenehme Erfahrung gemacht, die aus dem Druck auf die Hautnerven im Taillen - und Hüftbereich resultiert. Der Schmerz, der oft am Nachmittag auftritt kann anfangs unerträglich sein, wird aber, wenn man das Korsett etwas lockert (ohne es aber auszuziehen !), geringer und verschwindet schließlich. Nach einigen Monaten sind gewöhnlich alle Symptome verschwunden. Ein anderes Symptom, das bei Anfängern oft auftritt, ist ein Gefühl von Instabilität im Rücken oder es gibt Krämpfe und Verspannungen in den immer weniger benutzten Rückenmuskeln. Als Mittel dagegen sollte man Korsetts mit genügend starker Verstärkung am Rücken mit breiten flachen Stahlstangen verwenden. Tritt dieses Problem akut auf, sollte man stärker schnüren, um die Steifigkeit des Korsetts zu erhöhen und die Muskeln völlig unbeweglich zu machen.
Schließlich werden Schmerz und Unanehmlichkeiten verschwinden, wenn die Unterstützungsfunktion der Muskeln vollkommen von den Korsettstäben übernommen wird und Sie gelernt haben, sich im Korsett zu entspannen und schlaff zu werden.


gekrümmte Wirbelsäule

Das Korsettragen bei verkrümmter Wirbelsäule sollte normalerweise kein Problem darstellen, aber wie immer : im Zweifelsfall den Arzt fragen


Juckreiz

Nach langem Tragen eines Korsetts kann es zu Juckreiz kommen. Meistens ist die Ursache dafür eine Hautallergie gewissen Grades. Sorgfältig sein bei der Wahl der Seife (antiallergisch), keine parfümierten Lotionen oder Puder (wenn überhaupt ) verwenden. Man sollte außerdem eine antiallergisches Waschmittel für die Unterwäsche verwenden. Der Stahl in den Korsettstäben und der Planzette kann lokale Hautirritationen hervorrufen, vor allem bei sehr engem Schnüren. Dann tritt der Juckreiz genau darunter auf. Der Juckreiz kann noch verstärkt werden bei Nickelallergie (Nickel ist wahrscheinlich Legierungsbestandteil im Stahl).
Beim Schwitzen werden Nickelsalze gebildet, was den Effekt noch erhöht.
Es ist weiterhin sehr wichtig, sich nach dem Abnehmen des Korsetts sehr sorgfältig mit reinem lauwarmen Wasser zu waschen; gleiches gilt vor dem Wiederanlegen am nächsten Morgen. Verwendet man einen etwas dickeren Stoff unter dem Korsetts, kann das auch helfen, den Juckreiz zu mildern.


Diabetis

bei einer leichten Form von Diabetis (mit zunehmendem Alter erworben, durch Diät in Griff zu bekommen) stellt das Korsettragen grundsätzlich kein Problem dar. Allerdings muß man genau auf die Blutzirkulation achten. Hat man damit Probleme oder gar noch Bluthochdruck, sollte man das enge Schnüren meiden. Aber, wie immer: mit dem Arzt reden.

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