Hallo! Ich bin Ivi, und seit einiger Zeit trage ich ständig ein
Korsett. Den Anstoß dazu gab mein Mann, der vor etwa 10 Jahren auf
eine Anzeige in der Zeitung aufmerksam wurde, welche Korsetts der Firma
Axfords anbot. Wir interessierten uns schon immer für ausgefallene
Klamotten. Auch wenn ich damals noch meistens Jeans und Turnschuhe trug,
war ab und zu auch mal anderes Outfit angesagt.
Ein Korsett zu tragen war mir damals aber zuerst doch etwas zu verrückt.
Für mich war das ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, und diente
dazu Fettpolster zu verstecken, und ich war groß und schlank. Nein
ich brauchte so etwas nicht, außerdem war es viel zu teuer. Mein
Mann malte sich und mir aus wie toll ich doch gerade mit meiner schlanken
Figur in einem solchen Teil aussehen würde, und ich erklärte
mich dann bereit so etwas, wenn es mir denn gefalle auch ab und zu mal
zu tragen. So wurde das erste Korsett bestellt, ein Axford D 28, und weil
ich sowieso ziemlich schlank war, wurde es recht klein bestellt, zu klein
wie sich später zeigen sollte. Als das Korsett da war, und ich zum
ersten mal darin geschnürt wurde, kam es mir schrecklich eng und unbequem
vor, obwohl mir das Aussehen natürlich ungemein gefiel, auch wenn
ich es zuerst nicht zugab. Ich trug das Korsett also so selten wie möglich,
anfangs um meinem Mann einen Gefallen zu tun, und hatte immer eine Ausrede
parat, warum ich denn jetzt kein Korsett tragen könne, außerdem
war es wirklich ein wenig zu eng. Natürlich gefiel mir dieses extravagante
Kleidungsstück, aber so etwas ständig zu tragen konnte ich mir
damals nicht vorstellen. Wir probierten dann im Laufe der Jahre noch ein
paar andere Korsetts aus, aber so richtig passte keins der Konfektionsmieder.
Ich treibe gerne Sport und fahre gern Rad, ja und bei meiner Arbeit als
Krankenschwester konnte ich mir damals nicht vorstellen ein Korsett zu
tragen. Ein paar Mal versuchte ich mich auch an das Korsettragen zu gewöhnen,
trug das Korsett jeden Tag, aber es drückte sehr und immer wieder
hatte ich einen Grund es abzulegen, mal musste ich zur Arbeit, mal zum
Sport, mal war es zu warm, mal zu kalt.
Ein wenig schämte ich mich anfangs auch, denn nach wie vor hielt
ich ein Korsett eher für ein medizinisches Hilfsmittel, als für
ein modisches Kleidungsstück, ja und das enge Schnüren könne
unmöglich gesund sein dachte ich.
Vor ein paar Jahren dann, sahen wir im Fernsehen eine Sendung, wo es
auch um Korsetts ging, als wiederentdecktes Kleidungsstück. Das Frauen
heute wieder Korsetts tragen, wenn sie es wollen, und sich nicht mehr wie
früher schnüren müssen. Wir horchten auf, es gab also noch
mehr Verrückte. Ich sah, dass die gezeigten Frauen durchaus normal
gebaut waren, und auch ohne Korsett eine gute Figur hatten, ja und das
enge Schnüren solle ungefährlich sein, wenn man es nicht übertreibt.
Von jetzt an sah ich das Korsett mit etwas anderen Augen, trug es öfter,
wir bestellten sogar noch ein oder zwei dazu, aber so recht wohl fühlte
ich mich nicht, keine Spur von Bequemlichkeit oder Gewöhnung, wie
immer wieder verkündet wurde.
Es musste an den Korsetts liegen ! Wir begannen uns systematisch zu
informieren, und fanden den Unterschied zwischen Maßkorsetts und
Konfektion heraus. In historischen Schriften, und später auch übers
Internet erfuhren wir wie damals Korsetts getragen wurden, und wie sie
beschaffen sein sollten, welche Unterschiede es gab, und was beim Schnüren
zu beachten ist. Uns wurde klar, dass wir bisher so ziemlich alles falsch
gemacht hatten. Vor allem unsere bisherigen Korsetts waren allesamt nicht
richtig passend. Da ich eine sehr weibliche Figur habe, waren die Konfektionskorsetts
alle im Hüftbereich und auch am oberen Rand zu eng geschnitten. Da
sie die Taille ja ein klein wenig einengen sollten, haben wir alle Korsetts
zu klein gekauft.
Ich fand Gefallen an dem Korsett als Kleidungsstück, nur eben
passen musste es. Ich wollte zu gerne einmal ein richtig passendes Korsett
versuchen, was nirgendwo drückt und meine Figur betont. Also ein Fall
für meinen Mann und für die Nähmaschine. Ein Korsett wurde
aufgetrennt, Schnitt und Aufbau genauestens unter die Lupe genommen, neue
Teile zugeschnitten und zusammengenäht, vom alten Korsett blieben
nur die Stangen und der Verschluss. Was hier so einfach klingt war für
uns etliche Tage Arbeit an der Nähmaschine und immer wieder probieren
und messen. Der erste Versuch scheiterte an unserer neuen Nähmaschine.
Die neuzeitliche Haushaltstechnik war den Anforderungen von damals nicht
gewachsen, aber Omas Tretnähmaschine ließ sich nicht beeindrucken,
auch nicht von 10 Lagen Stoff! Wer weiß, was auf dieser Maschine
schon für Korsetts genäht worden sind, schließlich war
sie über 100 Jahre alt. Das Korsett passte auf Anhieb, und war wesentlich
bequemer zu tragen, auch wenn es ein wenig enger geschnürt wurde.
Für mich war zu diesem Zeitpunkt eine Schnürung von 3 cm schon
recht eng, mehr empfand ich als unerträglich, und hielt es auch für
ungesund.
Auf jeden Fall trug ich das Korsett jetzt öfter. So richtig bequem
war es aber nicht. Wenn ich das Korsett ein paar Stunden trug schmerzten
mir die Rippen, und so richtig bewegen konnte ich mich darin auch nicht.
Damals entdeckte ich, dass es auch durchaus angenehm sein konnte fest geschnürt
zu werden, gewissermaßen im Korsett eingeschlossen zu sein. Aber
die Schmerzen blieben, und das ständige Wechseln zwischen Schnürung
und keiner Schnürung führte zu keiner Gewöhnung. Das Korsett
blieb ein Fremdkörper an mir, wenngleich ein akzeptabeler, aber kein
richtig bequemer. Als vor 100 Jahren das Korsett zur Alltagskleidung gehörte,
trugen die Frauen ständig ein Korsett, wurden von klein auf geschnürt,
z. T. sogar sehr streng, wenngleich manche Überlieferung eher unglaubwürdig
klingt, aber auf jeden Fall wuchsen die jungen Frauen quasi im Korsett
auf. Es war normal sich zu schnüren, und ein Korsett wurde ständig
getragen, eben wie ein Paar Socken. Das Geheimnis der Bequemlichkeit war
neben dem richtigen Korsett vor allem die Gewöhnung an das Eingeschnürtsein
und an die eingeschränkte Beweglichkeit.
Als wir zu dieser Erkenntnis kamen, beschlossen wir einmal auszuprobieren
wie ich mit dem ständigen Tragen eines Korsetts klarkommen würde.
Das müsse natürlich genau passen, ein richtiges Maßkorsett
vom Profi. Wir wählten ein Unterbrustmodell, weil dieser Art die größte
Bequemlichkeit versprochen wurde. Unsere Wahl fiel über das Internet
auf JC in Amsterdam. Wir nahmen genau die Masse und bestellten telefonisch,
wegen evtl. Rückfragen. Es sollte ein Korsett zum ständigen Tragen
sein, bequem geschnitten und nicht zu eng. Wir waren ganz schön aufgeregt,
als das Korsett nach ein paar Wochen kam. Es passte perfekt, ließ
sich sogar fast schon ganz zuschnüren, ohne irgendwo zu drücken.
Ich war begeistert, wie bequem so ein Korsett sein konnte, so war es auszuhalten.
Ich drehte mich vor dem Spiegel und war erstaunt wie viel selbst ein sehr
wenig geschnürtes Korsett ausmacht. Meine Figur wurde herrlich betont
und weiblichen Rundungen kamen erst recht zur Geltung. Auch mein Mann war
begeistert, und wollte meine Taille gar nicht mehr loslassen. Das Korsett
engte mich nur an der Taille ein ohne irgendwo zu drücken. Ich war
fest entschlossen zu versuchen dieses Korsett ständig zu tragen, vom
Aufstehen bis zum Schlafengehen, egal zu welchem Anlass, und zu welcher
Jahreszeit, so wie die Frauen es früher getan haben.
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